Zahlungsmoral von Online-Käufern verschlechtert sich

Mit der Zahlungsmoral von Kunden im Online-Handel steht es trotz Rekordbeschäftigung und guter Konjunktur in Deutschland nicht zum Besten. In der aktuellen Mitgliederumfrage des Bundesverbandes Deutscher Inkasso-Unternehmen e.V. (BDIU) melden zwar 90 Prozent der Inkassounternehmen, dass Rechnungen jetzt genauso gut oder besser als vor sechs Monaten gezahlt werden – der beste Wert seit Beginn der Umfragen vor 20 Jahren.

Trotzdem haben manche Branchen säumige Zahler – besonders der Online-Handel. Jeder zweite Rechtsdienstleister berichtet in der Umfrage, dass Kunden von Onlineshops Rechnungen nicht wie vereinbart begleichen. Vor einem Jahr monierten das nur 37 Prozent. BDIU-Präsident Wolfgang Spitz: »Beim beliebten Kauf auf Rechnung treten Händler in Vorleistung. Manchmal haben sie es mit unredlichen Verbrauchern zu tun, die das für sich ausnutzen. Vor allem in Konsumbranchen gibt es aktuell vermehrt Probleme beim Zahlungsverhalten der Kunden.

Jüngere Verbraucher zahlen schlechter als Erwachsene

In der Umfrage haben sich die Inkassounternehmen zum Zahlungsverhalten unterschiedlicher Altersgruppen geäußert. „Aktuell haben vor allem jüngere Verbraucher ein schlechteres Zahlungsverhalten“, berichtet Marion Kremer, Vizepräsidentin des BDIU. Oft liege das Problem bereits in der Familie begründet. Etwa jeder zehnte private Haushalt in Deutschland hat nachhaltige finanzielle Schwierigkeiten. „Kinder, die in einer solchen Umgebung aufwachsen, erleben selbst, dass ihre Eltern unverantwortlich mit Geld umgehen.“ 70 Prozent der Inkassounternehmen bestätigen: Junge Schuldner eifern einem schlechten Vorbild ihres Elternhauses nach.

Allgemeinheit in der Verantwortung

Kremer sieht daher auch die Allgemeinheit in der Verantwortung. „Das Herausbilden von Finanzkompetenz muss ein unbedingter und fester Bestandteil des Lehrplans an unseren Schulen und Ausbildungsstätten sein.“ Kremer regt dazu die Schaffung eines eigenen Schulfaches an. „Wir als Inkassounternehmen sind gerne dazu bereit, unsere Erfahrung in die Ausgestaltung entsprechender Lehrmaterialien einzubringen.“ Junge Schuldner zwischen 18 und 24 Jahren haben nach Erfahrung der Inkassodienstleister Verbindlichkeiten bei Telekommunikationsunternehmen (90 Prozent bestätigen das in der Umfrage), bei Onlinehändlern (83 Prozent) sowie bei Fitnessstudios (59 Prozent).

Bei Schuldnern der mittleren Altersgruppe zwischen 25 und 59 sind es vor allem Verbindlichkeiten bei Banken und Finanzdienstleistern (81 Prozent), bei Energieversorgern (65 Prozent) und Telekommunikationsverbindlichkeiten (61 Prozent). Schuldner 60 plus stehen dagegen mehrheitlich bei Banken in der Kreide (69 Prozent bestätigen das) sowie bei Vermietern (52 Prozent) und Energieversorgen (52 Prozent). Auf Platz vier (47 Prozent) folgen offene Rechnungen für Ausgaben rund um Gesundheitsbelange.

Pessimistische Aussichten

„Offenbar werden Verbraucher bei ihren Konsumausgaben risikofreudiger und zugleich nachlässiger, was ihre Rechnungstreue angeht“, sagt Marion Kremer. Ein weiteres Alarmsignal: Mehr als jedes fünfte Inkassounternehmen geht davon aus, dass sich die Zahlungsmoral im Laufe des Jahres 2016 verschlechtern wird.

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