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Bestandsaufnahme zum neuen Widerrufsrecht in der Praxis

Bestandsaufnahme zum neuen Widerrufsrecht in der Praxis
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Beinahe ein Monat ist nun ins Land gegangen, seit am 13. Juni das neue Widerrufsrecht gesetzliche Gültigkeit hat. Da lohnt ein erster Blick darauf, wie die neuen Bestimmungen von den Online-Händlern in die Praxis umgesetzt werden. Gerade mit Blick auf die Neuregelung zu den Retourenkosten bei einem Warenwert über 40 Euro (wir haben mehrfach berichtet) ist ja mit einer gewissen Spannung erwartet worden, welche Händler aus Kulanz weiterhin die Kosten tragen und welche diese an ihre Kunden weitergeben werden.

idealo Partnershops hat jetzt mehrere idealo Onlineshops hinsichtlich der neuen Widerrufsregelungen untersucht und festgestellt: Bei den Rücksendekosten zeigen sich die meisten Shops großzügig, bestehen in der Regel aber auf die gesetzliche Rücksendefrist von 14 Tagen.

Muster-Widerrufsformular zu 92 Prozent vorhanden

Eine wesentliche Neuerung für Verbraucher besteht darin, dass der Widerruf ausdrücklich gegenüber dem Händler erklärt werden muss. Das kommentarlose Zurücksenden der Ware ist nach der neuen Regelung nicht mehr ausreichend. Unter anderem über diesen Punkt werden Verbraucher in der Widerrufsbelehrung informiert. Sie wurde in allen untersuchten Shops erneuert.

Der Widerruf von bestellter Ware muss innerhalb von 14 Tagen per Brief, E-Mail, als Fax oder telefonisch gegenüber dem Händler erklärt werden. Alternativ können Kunden hierfür ein Muster-Widerrufsformular verwenden. Shopbetreiber sind gesetzlich dazu verpflichtet, dieses vor der Abgabe einer Vertragserklärung des Kunden bereitzustellen. In einzelnen Shops ist ein solches Formular, trotz aktualisierter Widerrufsbelehrung, online nicht zu finden. Die Mehrzahl der untersuchten Händler (92 Prozent) stellt das Muster-Formular aber auf den Shopseiten zur Verfügung.

94 Prozent der Händler übernehmen die Rücksendekosten im Widerrufsfall

„Werden Händler die Retourenkosten auf ihre Kunden abwälzen?“

Die wohl meist diskutierte Frage im Zusammenhang mit dem neuen EU-Recht lässt sich im Hinblick auf die Top 50 idealo Shops jedenfalls verneinen. Ganze 94 Prozent der Händler übernehmen die Kosten im Widerrufsfall. Fast jeder Vierte (24 Prozent) davon bietet den kostenfreien Rückversand aber nur unter bestimmten Voraussetzungen an. 16 Prozent orientieren sich dabei an der alten Regelung, der so genannten „40-Euro-Klausel“, und geben an, die Rücksendekosten auch weiterhin erst ab einem Warenwert von 40 Euro zu übernehmen. Die restlichen acht Prozent knüpfen die Kostenübernahme für die Rücksendung an andere Bedingungen, beispielsweise die Verwendung eines mitgesandten Retouren-Etiketts, das auf das zurückzuschickende Paket geklebt werden soll. Abzuwarten bleibt, wie solche Ausnahmeregelungen aus rechtlicher Sicht zu beurteilen sind.

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78 Prozent der Shops bestehen auf die gesetzliche Widerrufsrist von 14 Tagen

Etwas weniger kulant zeigen sich die untersuchten Händler hinsichtlich der Überlegungsfrist, die Onlinebestellern eingeräumt wird. 78 Prozent halten an der gesetzlichen Widerrufsfrist von 14 Tagen fest. Eine freiwillig verlängerte Rückgabemöglichkeit bietet immerhin ein Viertel der Händler (24 Prozent) an, wobei die meisten (18 Prozent) ein 30-tägiges Rückgaberecht einräumen. Sechs Prozent der untersuchten Händler lassen ihren Kunden sogar 100 Tage Zeit, um bestellte Artikel zu retournieren.

Kunden werden in vielen Fällen vom neuen Widerrufsrecht profitieren

Für Verbraucher fallen die Neuerungen, die sich aus dem neuen Gesetz ergeben, in der Praxis tendenziell positiv aus. Bezüglich der Retourenkosten werden Kunden in vielen Fällen sogar besser gestellt als in der Zeit vor dem 13. Juni, als widerrufene Warenbestellungen im Wert von bis zu 40 Euro oftmals auf eigene Kosten retourniert werden mussten. Nun übernimmt ein Großteil der Händler die Rücksendekosten –ohne Warenwertgrenze und trotz der grundsätzlichen Kostentragungspflicht des Kunden.

Schon kurz nach Inkrafttreten des neuen Widerrufsrechts wurde über erste Abmahnwellen wegen veralteter oder fehlerhafter Widerrufsbelehrungen berichtet. Onlinehändlern ist dringend zu raten, sich in allen erforderlichen Punkten schnellstmöglich an die veränderte Gesetzeslage anzupassen und im Zweifel eine Rechtsberatung in Anspruch zu nehmen, um die Gefahr einer Abmahnung gar nicht erst zu riskieren.

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