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Das nächste Kapitel der unendlichen Geschichte Amazon und Verdi

Das nächste Kapitel der unendlichen Geschichte Amazon und Verdi
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„Wenn Zwei sich streiten, leidet der Dritte“. So könnte das jüngste Kapitel in der schier unendlichen (Tarifauseinandersetzungs-) Geschichte von Amazon und Verdi überschrieben werden. Die Kurzinhaltsangabe dieses neuen Abschnittes lautet nach Angaben der Tageszeitung Die Welt wie folgt: Amazon verlangt von deutschen Verlagen, rund 40 Prozent der Waren über neue Logistikstandorte in Polen und die Tschechische Republik an ihre Kunden in Deutschland zu schicken. In dem Brief, den der US-Konzern nach Angaben der Zeitung verschickt, werden die Verlage auf die Eröffnung von zunächst zwei neuen Vertriebszentren am 15. und 29. September in Polen hingewiesen. Zwei weitere Logistikstandorte in Tschechien sollen angabegemäß folgen.

Es ist für jeden Beobachter mehr als offensichtlich, dass dieses Vorgehen des globalen Marktführers Amazon eine Reaktion gegen die Streiks der Lagerarbeiter für einen Tariflohn in Deutschland darstellt. Die Verdi-Mitglieder haben vor mehr als einem Jahr, im April 2013, mit Streiks an den Standorten Leipzig und Bad Hersfeld begonnen und setzen den Kampf seitdem weiter fort. In dieser andauernden Tarifauseinandersetzung zeigen sich sowohl die Arbeitgeber- als auch die Arbeitnehmerseite, vertreten durch das Amazon-Management hier und die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi dort, gleichermaßen unversöhnlich.

Die Leidtragenden der jüngsten Entwicklung sind nun aber weder die eine oder andere Seite der Tarifparteien, sondern eine Dritte, scheinbar unbeteiligte Gruppierung, nämlich die Verlage. Das Lamento aus dieser Ecke ließ dann auch nicht lange auf sich warten:

“Amazons Plan bedeutet eine Vervielfachung der Wege und der damit verbundenen Kosten für die Verlage”, sagte Alexander Skipis, Hauptgeschäftsführer des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels, der Zeitung. “Wir sind nicht bereit, die zusätzlichen Kosten zu übernehmen”, erklärte einer der größten deutschen Buchproduzenten. Dies sei “die Linie, die sich generell durch die Verlage zieht”.

Die Klage der Verleger scheint durchaus berechtigt. Sie zahlen nun zunächst die Zeche für das starre und unbewegliche, man könnte auch sagen sture und dogmatische, Verharren der Tarifparteien auf ihren jeweiligen Positionen. Es ist gute und bewährte Praxis und eine nicht unerhebliche Grundlage des Erfolges der sozialen Marktwirtschaft auf deutschem Boden seit 1945, dass die Tarifparteien in autonomen Verhandlungen den Ausgleich der Interessen von Arbeitgebern und Arbeitnehmern suchen und finden.

Dieser Grundsatz sollte auch für ausländische Unternehmen, die in Deutschland aktiv werden einerseits, und manchmal beinahe klassenkämpferisch anmutende Gewerkschaften andererseits gelten und fortgeführt werden. Ideologische Wagenburgmentalitäten nutzen letztlich keiner Seite, wie das jüngste Kapitel zeigt. Arbeitsplätze und Wertschöpfung drohen abzuwandern. Es ist höchste Zeit, dass die Streithähne mit einem wirklichen, auf Ausgleich bedachten, Lösungswillen an den Verhandlungstisch zurückkehren, um weiteren Schaden von unmittelbar und mittelbar Beteiligten, aber auch dem Wirtschaftsstandort Deutschland abzuwenden.

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