Die Drogeriemarktkette dm hat vor kurzem bekanntgegeben, das Online-Angebot stark ausgebaut zu haben und nun auch Produkte über den Online-Kanal anzubieten. Kurzum, dm steigt ins E-Commerce-Geschäft ein. Wie dm in einer Presseinformation mitteilt, werden zum Start des Online-Shops www.dm.de mehr als 9.000 drogistische Artikel verfügbar sein.
Der neue Shop lädt uns praktisch dazu ein, diesen etwas genauer unter die Lupe zu nehmen und zu schauen, ob dm tatsächlich seine E-Commerce-Hausaufgaben gemacht hat.
Auf den ersten Blick hat sich dm für eine klassisch aufgeräumte und moderne Shop-Startseite entschieden. Neben dem Hinweis, dass nun auch auf dm.de eingekauft werden kann, werden ausgewählte Produkte neben weiteren Contentthemen, wie Ratgeber, Gewinnspiel oder eine Umfrage dem Nutzer präsentiert.
Der erster Kritikpunkt auf der Startseite ist schnell gefunden. Bei den ausgewählten Produkten werden dem potenziellen Käufer Produktbild, ein kleiner Text und dann Preis und das Warenkorbsymbol angezeigt. Und insbesondere bei letzterem beginnt meine Kritik. Der Preis und auch das Warenkorbsymbol wirken als Fremdkörper, die nicht zu den Produktinformationen gehören. Weshalb wurde ein so großer Abstand zwischen dem Artikeltext und dem Preis/Warenkorbsymbol gewählt? Die Lösung des Problems ist einfacher mit einem Rahmen ähnlich einer Box zu umgehen. Ein kleiner, aber vielleicht wichtiger Schritt in Sachen Shop-Optimierung.
Immer wieder eine Frage der Philosophie ist die Darstellung der Startseite. Sollte man diese mit ausgewählten Produkten oder Kategorien vollstopfen oder wie dm vielleicht auf andere Dinge hinweisen? Klassische moderne Shops tendieren mittlerweile eher wieder zu mehr Produkten auf der Startseite. Übersichtlich und neugierig machend – denn schließlich sind die meisten Kunden wegen der Produkte bei dm auf der Seite und nicht wegen einer Umfrage, einem Gewinnspiel oder einer Aktion. Der Content ist für dm natürlich hilfreich, da er die Suchmaschinen mit Content füttert und die organische Entwicklung geebnet werden kann.
Und wenn wir schon ein mal bei den kleinen Dingen der Optimierung sind. Schauen wir uns die Navigation etwas genauer an. Der Aufbau ist hierbei zwar immer gleich, nur stellt sich die Frage, ob dieser so in der Form für alle Bereiche sinnvoll ist. Zum Teil verloren wirken die Inhalte wie man hier an diesem Beispiel sehen kann.
Die Navigation sind nicht nur leer, auch die beiden Punkte „Foto-Paradies Online-Shop“ und die Contentthemen der Rubrik wirken verlassen. Dabei bietet diese Form der Navigation so einfache wie flexible Möglichkeiten der übersichtlichen Darstellung. Weshalb man diese Form der Darstellung gewählt hat – wir wissen es nicht! Und wenn es schon wenige Produkte in dieser Rubrik gibt, wieso nutzt man nicht mehr Contentthemen, die das Thema entsprechend mehr taesern würden?
Uns würden an dieser Stelle noch viele weitere Optimierungsmöglichkeiten und -themen einfallen, doch würden diese die Artikellänge stark überdimensionieren. Daher möchte ich abschließend noch zwei Themen besprechen. Die Suche – so mit die wichtigste Funktion und Stellschraube eines Online-Shops und die Produktdetailseite selbst.
Inhalt des Artikel
Die Suchfunktion
Anfangen möchte ich mit der Suche. Einfache „Auto-Suggest-Suche“, zumindest auf den ersten Blick, ist vorhanden. Einige andere namhafte Shops schwören auf mehr Content in der Suche. Anzeige der Marken, die Angabe, wie viele Artikel sich hinter dem Suchbegriff befinden, etc. Der Anzeigendarstellung sind hier wenige Grenzen gesetzt, wobei man sagen muss, dass man sensibel vorgehen sollte und genau analysieren sollte, wie sich gewisse Inhalte oder das Weglassen von Inhalten auf die Konversion auswirken. Die Suche ist wie Online-Werbung sehr konversiongetrieben und so sollte sie auch gesehen, analysiert und optimiert werden. Ganz besonders wichtig ist das die Suche optimal auf den Nutzer eingestellt ist.
Ein kleines Beispiel:
Ich suche in der Suchleiste nach „Nagellackfarbe“. Hier könnte ein Kunde sich inspirieren lassen wollen. Als Ergebnis werden mir lediglich sieben Produkte angezeigt. Und wie es scheint nur in Farben weiß und rosa.Wenn ich dann aber nur „Nagellack“ in der Suche eingebe, werden mir Lacke in den unterschiedlichsten Farben (insgesamt 12 verschiedene Farben) angezeigt. Warum?
Grundsätzlich muss man immer im Hinterkopf halten:
Produkte, die nicht gefunden werden, existieren für einen Nutzer nicht!
Und somit sind einige Dinge zu beachten, wenngleich die Komplexität dieses Themas nicht zu unterschätzen ist. Wichtige Fragestellungen im Umgang mit der Such-Optimierung sind folgende:
- Ist die Suchfunktion direkt für den Nutzer erkennbar und nutzbar? Wie ist die optische Gestaltung des Suchfeldes erfolgt?
- Wo ist die Suche positioniert? Alleine dieser Punkt kann zum Teile signifikante Unterschiede bei der Konversion ausmachen
- Wie reagiert die Suche auf klassische Tippfehler, Wortvertauschungen oder unterschiedliche Schreibweisen?
- Wie wird der Nutzer vom auto-suggest während der Eingabe unterstützt? Sind die Vorschläge entsprechend relevant und sinnvoll?
- Sind Bildelemente in der Vorschlagsliste unterstützend?
Die Liste könnte man weiter fortsetzen, aber an dieser Stelle soll es zunächst einmal reichen und zur Inspiration ausreichend sein. Bei weiterem Interesse, gerne entsprechend Feedback in den Kommentaren geben.
Die Produktdetailseite bei dm
Was die Produktdetailseite angeht, bin ich von der dm-Seite sehr enttäuscht. Es fehlen einfach essentielle Informationen – im direkt sichtbaren Bereich für den Kunden.
Wo finde ich Zahlungsoptionen oder aber den Hinweis auf Lieferbedingungen, der Warenkorb-Button kann gerne auch andersfarbig hinterlegt werden und sich somit vom eigentlichen look-and-feel abgrenzen. Gibt es ein Rückgaberecht, Versandinformationen oder eine Hotline?
Ja, es gibt diese Informationen – und zwar ziemlich weit unten – warum nicht direkt in der Nähe des Warenkorbbuttons platzieren und dem Nutzer die relevanten Informationen auf dem Silbertablett servieren? Mit dem Einführen eines Mindestbestellwertes von 25 EUR schränkt sich dm natürlich ein. Auf der anderen Seite ist es nur verständlich, dass man keine Produkte im Wert von wenigen Euro versenden möchte. Aber was den Warenkorb oder dessen Erhöhung angeht, gibt es ja einige Möglichkeiten. Und da wären wir schon beim nächsten Thema.
Und längst sollte sich rumgesprochen haben, dass die Integration von Recommendations ein „must-have“ ist und eben den Warenkorb erhöhen kann. Gerade dm bietet einige sinnvolle Komplementärprodukte, die den Warenkorb erhöhen sollten.
„Ähnliche Produkte“ oder „Andere Kunden kauften auch ….“
dm verschenkt in vielen Bereichen richtig Geld. Die Konversionrate sollte nicht optimal sein und auch sonst gibt es jede Menge zu optimieren.
Fazit
Der neue dm-Shop hat mich ehrlich gesagt etwas enttäuscht. In der Kürze habe ich wenige Aspekte mir anschauen können und schnell Optimierungsmöglichkeiten gefunden. Wichtige Funktionen sind zum Teil vorhanden, aus meiner Sicht nicht optimal umgesetzt. Andere wichtige Funktionen, wie die Recommendations beispielsweise fehlen gänzlich und sind ein wichtiges Vehicle um Warenkörbe zu erhöhen und somit mehr Umsatz zu generieren.
Wir werden es jedenfalls werden es weiter beobachten und wenn Fragen, Anregungen oder Wünsche zu unseren Shop-Checks sind, nutzt gerne die Kommentare.
Der neue dm Online-Shop - viel Optimierungspotenzial und was ist das los?,





Kompetente und ehrliche Analyse, wie ich meine. Kompliment!
Danke!