In der E-Commerce-Logistik brennt es an allen Ecken und Enden. Mangelnde Kapazitäten, drohender Verkehrskollaps in Innenstädten, Umweltbelastung und vor allem saftige Preiserhöhungen der Paketlieferdienste prägen aktuell das Bild der Lage. Über die nächste Preisrunde bei Hermes hatten wir bereits im Februar berichtet und prognostiziert, dass die Wettbewerber nachziehen werden. Und jetzt hat DHL Paket angekündigt, die Preise für Geschäftskunden mit individuell vereinbarten Konditionen stärker als in den Vorjahren zu erhöhen. Das ist keine gute Nachricht für Onlinehändler.
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Reaktion auf deutlich gestiegene Kosten
Lassen wir zunächst DHL Paket mit der Begründung für die angekündigte deutliche Preiserhöhung zu Wort kommen. In der Pressemitteilung des Unternehmens heißt es dazu:
Mit diesen Preisanpassungen reagiert das Unternehmen auf deutlich gestiegene Transport- und Personalkosten. Die steigenden Anforderungen des Paketmarktes sollen so durchgehend erfüllt werden können.
“Wir werden unser Netzwerk weiter verbessern, um unsere Kunden in ihrem Geschäft erfolgreich zu machen. Dafür investieren wir weiter in den Ausbau unseres Paketnetzes. In Zeiten eines von Vollbeschäftigung und Ressourcenknappheit geprägten Paketmarktes müssen wir unter anderem dafür sorgen, dass stets ausreichend Personal- und Transportkapazitäten vorhanden sind. Dies ist mit deutlichen Kostensteigerungen verbunden. Deshalb werden wir unsere Preise stärker als in den Vorjahren anpassen”, sagt Achim Dünnwald, CEO DHL Parcel.
Auch Sperrgut wird deutlich teurer
Auch die Preise für Sperrgut werden deutlich erhöht. Der starke Anstieg des Sperrgutaufkommens schränkt betriebliche Abläufe ein und führt zu besonders starken Komplexitäts- und Kostensteigerungen. “Ein Fokus der Anpassungen liegt auf sperrigen und schweren Sendungen, deren Bearbeitung für uns komplexer und aufwendiger ist – ein Faktor, der im Preis für diese Produkte noch stärker berücksichtigt werden muss”, so Dünnwald.
Absetzungsversuch gegenüber Hermes: Kein Weihnachtszuschlag
Und dann versucht DHL Paket noch, sich ein wenig vom Wettbewerber Hermes abzusetzen, der die Einführung von Weihnachtszuschlägen angekündigt hatte. Diese werde es bei DHL Paket nicht geben, heißt es in der Pressemitteilung. Das scheint jedoch ein schwacher Trost zu sein, denn einen fehlenden Zuschlag in Zeiten des Starkverkehrs will DHL Paket ganz offensichtlich über die stärkere Erhöhung der Preise insgesamt kompensieren. Darauf lässt zumindest diese Passage aus der Unternehmensmitteilung schließen:
“Wir werden weiterhin alle Paketmengen annehmen, die Kunden uns im Starkverkehr übergeben. Es wird keinen pauschalen Zuschlag für Sendungen im Starkverkehr geben”, betont Paketchef Dünnwald. Stattdessen werden die kundenspezifischen Sendungsmengen-Schwankungen in stärkerem Maße als zuvor im Preis berücksichtigt.
Amazon als Profiteur?
Der lachende Dritte und Profiteur des Preiswettlaufes der Paketdienste könnte wieder einmal Amazon sein. Der E-Commerce-Riese baut bekanntlich seit geraumer Zeit seine eigenen Logistikkapazitäten inklusiver einer hauseigenen Lieferflotte massiv aus. Damit macht sich Amazon auf der einen Seite immer unabhängiger von Logistikpartnern wie DHL, Hermes & Co.
Andererseits wird insbesondere für kleine und mittlere Marktplatzhändler die Alternative des Fulfilment by Amazon (FBA) mit jeder Preiserhöhung der Paketdienste attraktiver – vorausgesetzt natürlich, Amazon dreht bei den Konditionen des FBA-Programms nicht parallel an der Preisschraube.
DHL Paket kündigt starke Preiserhöhung für Geschäftskunden an,