Ein Jahr nachdem Paydirekt als Online-Bezahlservice der deutschen Kreditwirtschaft an den Start gegangen ist, fällt die Zwischenbilanz ernüchternd aus, um es vorsichtig auszudrücken. Zwar ist es nach zwölf Monaten sicherlich verfrüht, schon das Totenglöckchen zu läuten, jedoch zeigt ein Blick auf die Fakten, dass Paydirekt einen veritablen Fehlstart hingelegt hat. Aktuell haben sich lediglich 330 Onlineshops bei dem Bezahldienst registriert, was bei einer geschätzten Gesamtanzahl von über 500.000 Webshops in Deutschland mehr als enttäuschend ist. Unter den angeschlossenen Akzeptanzstellen befinden sich zudem nur eine Handvoll der Top-Shops. Nach Angaben von Paydirekt beträgt die aktuelle Anzahl der Kunden, die sich angemeldet haben, rund 750.000. Überprüfbare Zahlen zu den über Paydirekt tatsächlich getätigten Transaktionen gibt es nicht
Inhalt des Artikel
Vergleich mit PayPal verbietet sich
Ein Vergleich mit den Zahlen des Marktführers PayPal in den genannten Kategorien verbietet sich allerdings. Das wäre so kurz nach dem Markteintritt schlicht weder fair noch seriös. Allerdings müssen die deutschen Banken und Sparkassen sich schon die Frage gefallen lassen, warum sie erst mehr als 20 Jahre nach PayPal mit ihrer Bezahllösung angetreten sind. Da wurde, man kann es leider nicht anders sagen, tief und fest geschlafen.
Die Voraussetzungen für Paydirekt sind eigentlich sehr gut
Dabei ist das Umfeld für einen deutschen Online-Bezahldienst wie Paydirekt eigentlich sehr gut. Wir Deutschen sind traditionell sehr zurückhaltend und vorsichtig, wenn es um unsere Daten geht. Das gilt erst Recht für Bankdaten, die zu den sensibelsten Informationen gehören. Paydirekt bietet den Kunden hier den nicht zu unterschätzenden Vorteil, dass eben diese Daten nicht in die Hände Dritter geraten, sondern bei der eigenen Bank verbleiben, die diese ja ohnehin haben. Die diesbezügliche Skepsis der Deutschen insbesondere gegen US-amerikanische Unternehmen wie PayPal ist nach den Enthüllungen von Edward Snowden sicher nicht geringer geworden. Ein weiteres Pfund, mit dem Paydirekt eigentlich wuchern können sollte, ist der direkte Zugang zu 50 Millionen Kunden. Denn so viele onlinefähige Konten gibt es in Deutschland. Vor diesem Hintergrund nimmt sich die genannte Zahl von 750.000 bis dato angemeldeten Kunden doch mehr als bescheiden aus.
Händler beklagen kompliziertes Prozedere
Von Händlerseite war und ist immer wieder die Klage zu hören, das Registrierungsprozedere sei kompliziert und umständlich. Paydirekt hat im Frühjahr angekündigt, diese Prozeduren für Händler zu vereinfachen. Der durchschlagende Erfolg, das zeigen die Zahlen, hat sich jedoch bislang nicht eingestellt. Doch ohne ein umfassendes Netz von Akzeptanzstellen wird Paydirekt nicht erfolgreich sein können. Warum sollte ich mich als Online-Shopper für den Dienst registrieren, wenn ich in 99 von 100 meiner bevorzugten Webshops nicht mit ihm bezahlen kann?
Paydirekt muss einfach besser werden
Bei aller Kritik: Paydirekt hat durchaus eine Daseinsberechtigung. Ein Online-Bezahldienst der deutschen Kreditwirtschaft ist durchaus wünschenswert. Allerdings muss dieser besser und präsenter sein, als Paydirekt es bislang ist. Das Potenzial dafür ist da. Paydierekt muss schlicht und ergreifend besser, sprich kunden- und vor allem händlerfreundlicher werden. Noch ist es nicht zu spät, aber es ist allerhöchste Zeit.