Wohin geht die Reise in der Elektronikbranche. Damit ist nicht nur der Onlinehandel gemeint. Insbesondere die großen Händler, die stationär wie online aktiv sind, kämpfen dieser Tage scheinbar mehr und mehr mit dem Wettbewerb der Pure Player.
Dabei scheint das Problem oft Haus gemacht. Die Großen strukturieren um, müssen zum Teil enomre Umsatzeinbußen hinnehmen. Ein Unternehmen sieht die Zukunft eher im stationären Geschäft, ein anderes versucht es eher zarkhaft mit Multi-Channel-Angeboten.
Die Metro-Töchter Media Saturn, Media Markt und Redcoon haben beispielsweise in 2012 einen Online-Umsatz von 800 Mio. EUR erwirtschaftet. Außer Redcoon haben es die Online-Angebote von Media Markt und Media Saturn noch nicht zum richtigen Durchbruch geschafft. Multi-Channel-Konzepte werden nur wage umgesetzt und vom Verbraucher gefühlt nicht wahrgenommen. Ich als Verbraucher habe bei Saturn oder Media Markt keine offensive Kommunikation zu dem Thema gesehen.
Bei Euronics ist es zur Zeit so, dass auch hier das Geschäft nicht richtig in Fahrt kommt. Vor kurzem wurde bekannt, dass Eurodisc sich von zwei wichtigen Mitarbeitern aus der Führungsetage getrennt hat und auch sonst die Zeichen auf Umstrukturierung stehen. Im ersten Halbjahr des Geschäftsjahres 2012/13 musste das Unternehmen einen Umsatzrückgang von 12 Prozent hinnehmen. Euronics jedenfalls trotzt der Krise und schaltet aktuell großflächige Werbung zum 44. Firmenjubiläum.
Auch bei Electronic Partner sieht es ähnlich aus. Hier geht der neue Chef sogar soweit und sieht die Zukunft für sein Unternehmen nicht einmal mehr im Online-Business. Er ist der Auffassung, das Online nur als Pure Player funktioniere. Auch hier ist eine Umstrukturierung in vollem Gange und man versucht Umsatzrückgänge aufzuhalten und den turn around durch entsprechende Maßnahmen einzuleiten. Scheinbar jedenfalls ohne den Fokus Online. Vielleicht sieht EP-Chef noteboksbilliger.de als Vorbild und kommt zu dem Schluss, dass nur die Pure Player im Kampf um Online-Marktanteile mithalten können. Immerhin hat notebooksbilliger.de als einer der größten deutschen Online-Shops im letzten Jahr fast 500 Millionen Euro Umsatz erwirtschaftet.
Kann die Elektronik-Branche nur stationär?
Die Frage stellt sich aus meiner Sicht nicht Multi-Channel funktioniert, sofern sich Gesellschafter und Management über den Web einig sind. Viele große stationäre Händler kämpfen mit sehr komplexen Gesellschafterstrukturen. Häufig ist ein stationäres Ladengeschäft sein eigener herr und somit Teil des Ganzen. Die gegenseitigen Interessenkonflikte hemmen den konsequenten Weg ins Online-Business und zerstören die Träume der Verbraucher – nach richtigen Mutli-Channel-Angeboten, die unverwechselbar sind und sich eben doch von Pure Playern massiv unterscheiden. Die Frage bleibt, wer geht von den großen den Weg konsequent und wer traut sich den Kampf gegen die Pure Player aufzunehmen? Ich bin überzeugt, in wenigen Jahren werden die Pure Player den anderen Weg einschlagen und stationäre Ladengeschäfte etablieren – als Showroom, Popup Store oder klassisches Ladenlokal. Weshalb die großen Player zum Teil so zurückhaltend reagieren ist mir ein Rätsel. Fehlt der Mut? Die E-Commerce Branche kann sich ein Beispiel an Axel Springer nehmen – zumindest was den Mut für Veränderung angeht. Es wird sich einiges in den kommenden Jahren im E-Commerce ereignen. Wo dann die Elektrobranche stehen wird, bleibt aufgrund der zum Teil sehr unterschiedlichen Strategien offen.