Lidl und Kaufland forcieren E-Commerce Business

LIDL und und Kaufland, beide Unternehmen gehören zur Schwarz-Gruppe, haben eine klare Offensive für ihr Digitalgeschäft angekündigt. Das LIDL schon länger an einer größeren Digitaloffensive arbeitet, ist bereits seit längerem bekannt. Bislang hat LIDL rund 2.500 Produkte (Frischaren und Tiefkühlkost) aus dem Lebensmittelsortiment online verfügbar. Den Großteil des Online-Umsatzes (rund 150 Millionen Euro) macht LIDL aber bisher nicht mit dem Lebensmittelsortiment, sondern mit Textilien und Elektronik. Anders als Konkurrent Aldi setzt man bei LIDL bewusst und konsequent auf E-Commerce.

Kaufland testete bisher nur in Berlin, weitet aber den Lieferdienst und das Pilotprojekt in den Norden nun aus.

Konkurrenz durch Amazon Fresh

Amazon teste ja seit längerem den Lebensmittel-Lieferdienst Amazon Fresh. In Kürze wird vermutet, wird Amazon auch bei uns in Deutschland mit dem Dienst starten. Und eines sollte klar sein. Wenn Amazon etwas startet, dann wird es meist funktionieren. Zumindest hat Amazon den finanziellen Background um auch eine anfängliche Durststrecke in Kauf nehmen zu können.

Wie intensiv und breit sich Amazon mit Amazon Fresh allerdings aufstellen wird, zeigt auch die Tatsache, dass Amazon DriveIn Stationen eröffnen will und so dem Kunden die Wahl lässt, ob die Waren abgeholt oder direkt nach Hause geliefert werden sollen. Dabei will Amazon wohl keine eigenen DriveIN-Stationen bauen, sondern das Angebot über Mc Donalds Filialen abbilden. Ein kluger Schachzug jedenfalls, da diese auch in Deutschland nahezu flächendeckend vorhanden sind. Damit sollte Amazon den Nerv der Zeit treffen können. Keine langen Wartezeiten beim Discounter schnelle Abwicklung und zumindest die Konsumenten, die an einem schnellen und reibungslosen Ablauf interessiert sind, werden das Angebot nutzen können. Wer DriveIn Stationen nicht nutzen möchte, kann alternativ auch auf ein Amazon Fresh Abo für 15 Dollar (aktuell in USA) zurückgreifen.

Großes Marktvolumen – viel Potenzial

Das Potenzial im Bereich Lebensmittel ist riesig. Das weiß auch Amazon & Co. Rund 170 Mrd. EUR pro Jahr werden in dem Bereich umgesetzt. Der Verschiebung hin zum Online-Sektor sind nicht von der Hand zu weisen, auch wenn bisher nur 1,2 Prozent der Deutschen Lebensmittel online shoppen. Dei Zahl muss auch relativiert werden, da es bisher auch nicht viele Angebote gibt, die überregional auch Waren ausliefern bzw. der Konsument die Möglichkeit hat, den eigenen Wochenkauf zu tätigen. Es wird geschehen, die Frage ist nur wann. Letztlich abhängig wird es sein, dass die großen Anbieter es schaffen, die Lieferkette zu zu gestalten, dass frische Produkte auch zeitnah beim Konsumenten ankommen.

Amazon als Vorbild

LIDL & Co. haben eine Strategie. Wichtig ist, dass diese nun auch konsequent umgesetzt wird und dafür hat LIDL sich jedenfalls sehr gut um Bereichsvorstand Heiko Hegewein positioniert. Mit insgesamt rund 1.000 Mitarbeitern greift LIDL nach Marktanteilen, stellt sich gegen den Kamp mit Amazon auf und geht sogar in die Orte, in dem Fall Berlin, wo junge Fachkräfte zu finden sind. Bei LIDL weiß man, dass E-Commerce nicht nur durch das Sortiment entschieden wird, sondern das E-Commerce Shops immer mehr datengetrieben agieren. Als Vorbild, wie man Daten verarbeitet und mit Kunden interagiert, ist sicherlich Amazon die Benchmark.

LIDL
Online-Shop lidl.com

Kaufland startet Offensive

Auch Kaufland geht wie bereits angekündigt in die E-Commerce Offensive. In Berlin zunächst gestartet, hat das Unternehmen sogar auf ein eigenes Logistikzentrum zurückgegriffen und auch in dem Bereich erste Learnings erfahren können. Dabei hat Kaufland genau auf die Themen gesetzt, die dem Konsumenten wichtig sind – man will den Wocheneinkauf auch online tätigen können. Von der Tiefkühl-Pizza, über Bio-Produkte bis hin zu frischen Kräutern oder Gemüse ist ein breites Sortiment online verfügbar.

Der Konsument kann bei Kaufland seinen Wunschtermin nennen – zwischen 7 und 22 Uhr, mit einem Zeitfenster von einer Stunde. Bestellt der Kunde morgens, bekommt er die Ware noch am gleichen Tag geliefert. Lieferkosten liegen dabei zwischen 2,75 und 4,75 EUR. Preislich ist aktuell zur Filiale kein Unterschied – noch nicht!

Auch Rewe ist bereits in einigen dutzend Städten aktiv und versucht ebenfalls in diesem Segment erste Erfahrungen zu sammeln und Fuß zu fassen.

Wie wichtig das E-Commerce Engagement in der Schwarzgruppe positioniert ist, zeigt das Investitionsvorhaben, dass laut Schwarz-Chef Klaus Gehring bis 2018 bei rund 1,5 Milliarden EUR liegen.