Ausgerechnet ein junges Unternehmen aus dem Ecommerce, jener Branche, die landläufig als Totengräber des stationären Handels angesehen wird, hat sich zum Ziel gesetzt, mit seiner Geschäftsidee Händlern mit Ladenlokalen helfend zur Seite zu springen. Das Kölner Start-up SugarTrends hat im vergangenen Jahr ein Ecommerce-Angebot gestartet, bei dem unabhängige lokale Händler aus aller Welt ihre Produkte zur Onlinebestellung anbieten können.
Gleiches ist natürlich auch auf ebay und vielen anderen Webmarktplätzen bereits seit vielen Jahren möglich. Der entscheidende Unterschied zwischen diesen Plattformen und SugarTrends ist jedoch, dass das Vorhandensein eines stationären Ladengeschäftes zwingende Voraussetzung ist, um bei SugarTrends mit einem Microshop vertreten sein zu können. Die Gründer Christian Schwarzkopf und Tim Lagerpusch haben diesen speziellen Weg der Verknüpfung von On- und Offline-Sales bewusst eingeschlagen, um Ladenbesitzer am Online-Boom partizipieren zu lassen. Auf diese Weise soll dem Ladensterben und der Verödung der Innenstädte entgegengewirkt werden.
Die Macher von SugarTrends sind überzeugt, dass die Präsenz auf ihrer Plattform gegenüber dem Aufsetzen und Betreiben eines eigenen Online-Shops gerade für kleine Einzelhändler zahlreiche Vorteile bietet. Durch die Konzentration vieler Läden und Produkte auf einer einzigen Plattform steige das Suchmaschinenranking. Zudem biete der Dienst ein großes Netzwerk von Einzelhändlern, die sich gegenseitig beraten oder auch gemeinsame Projekte initiieren. Kunden wiederum verspricht das Unternehmen ein gutes Gewissen, mit einem Einkauf das individuelle Städtebild zu unterstützen. Zudem können User bei Fragen auch spontan in einem Shop anrufen und sich zu Produkten beraten lassen. Etwas, das bei Ecommerce-Giganten oft schwierig bis unmöglich ist.
Jeder teilnehmende Händler erhält bei SugarTrends ein eigenes, individuelles Profil. Käufer finden auf den Produktseiten Informationen zu dem Geschäft, welches das jeweilige Produkt anbietet, inklusive Foto und Angaben zu den Inhabern. Damit möchte SugarTrends erreichen, dass Anwender während des Einkaufs ihre Aufmerksamkeit nicht nur auf die Produkte richten, sondern auch darauf, wer ihnen diese offeriert. Die durchaus gewünschte Zielsetzung hinter diesen Zusatzinformationen ist, dass Online-Shopper sich auch die Profile der Läden selber ansehen oder das Geschäft persönlich besuchen.
Das Geschäftsprinzip von SugarTrends ist denkbar einfach. Die Geschäftsinhaber versenden die Waren, die über die Plattform bestellt wurden, in Eigenregie. Die Zahlungsabwicklung übernimmt SugarTrends und überweist anschließend die Kaufsumme abzüglich einer Umsatzprovision an den Händler. Nach Angaben des Start-ups nehmen bis dato 45 Einzelhändler aus 18 Städten in zehn Ländern teil. Der weitere Erfolg wird sicher davon abhängen, dass sich möglichst viele weitere Einzelhändler der Initiative anschließen und so die Sichtbarkeit der Plattform im Markt weiter erhöhen.