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Reisen ins Unbekannte – E-Commerce für CIVETS Zielgruppen

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Bei der Suche nach neuen Zielmärkten expansionswilliger Unternehmen, fällt immer öfter der Begriff „CIVETS“. Er steht für die angelsächsischen Namen der Länder Kolumbien, Indonesien, Vietnam, Ägypten, Türkei und Südafrika. Hinter den so genannten BRIC Staaten (Brasilien, Russland, Indien und China) gelten sie als Hoffnungsträger, als interessante Märkte mit gut kontrollierter Inflation und starkem Finanzsystem. Das birgt durchaus Chancen für E-Commerce. Mit einem passenden fremdsprachigen Onlineshop und einer guten Onlinemarketing-Strategie kann man an der sich entwickelnden Wirtschaftskraft dieser Länder partizipieren. Allerdings sollte man die Sache planvoll angehen, Risiken und Chancen gegeneinander abwägen und auch berücksichtigen, dass man sich mit einem Onlineshop für einen der CIVET Staaten virtuell in einer völlig anderen Kultur bewegt.

Am Anfang steht die Analyse

Bevor man sich für E-Commerce mit Blick auf eines der CIVETS Länder entscheidet, sollte man sich die Bedingungen im jeweiligen Staat gut ansehen. CIVETS Länder sind durchweg auf dem Weg zur Industrialisierung bereits wichtige Schritte vorangekommen. So gelten etwa Südafrika und Ägypten als die am stärksten industrialisierten Länder des afrikanischen Kontinents. In der Regel hat sich in den Ländern auch eine konsumfreudige Schicht entwickelt, die als Zielgruppe für E-Commerce interessant ist. Die aktuelle wirtschaftliche Entwicklung ist allerdings unterschiedlich. Während etwa Ägypten 2011 nur ein Wachstum des Bruttoinlandsprodukts von 1,2 Prozent verzeichnete, waren es in der Türkei 8,46 Prozent. Südafrika kam auf 3,15 Prozent, Kolumbien auf 5,93 Prozent und Indonesien auf 6,46 Prozent.

Insbesondere Ägypten befindet sich aufgrund des „Arabischen Frühlings“ in einem großen Umwälzprozess, dessen Ausgang sich kaum vorausberechnen lässt. Das Engagement für geschäftliche Erfolge in den CIVETS Ländern birgt daher oft in Bezug auf politische Entwicklungen ein höheres Risiko als in Industriestaaten. Andererseits lassen sich auch die Verhältnisse in entwickelten Euro-Staaten aufgrund der Eurokrise derzeit nur schlecht prognostizieren, wodurch sich die Risiken in den CIVETS Staaten wieder etwas relativieren. Allzu schnell sollte man sich also nicht abschrecken lassen. Es bleiben die allgemein vielleicht wichtigsten Fragen rund um ein mögliches geschäftliches Engagement in den CIVETS Staaten:

  • Wie hoch kann der Bedarf für die Produkte des expansionswilligen Händlers im jeweiligen Land eingeschätzt werden?
  • Wie hoch ist der Anteil derer, die Bedarf an den Produkten haben UND die nötige Kaufkraft besitzen?

Antworten auf solche Fragen können beispielsweise die deutschen Auslandshandelskammern oder Germany Trade & Invest als Gesellschaft der Bundesrepublik Deutschland für Außenwirtschaft und Standortmarketing geben. Ohne Analyse des Marktes und bestenfalls eine Beratung sollte keine Expansion erfolgen: auch im E-Commerce nicht.

E-Commerce braucht auch eigene Analysen

Speziell für E-Commerce Vorhaben, die auf eine Zielgruppe in einem der CIVETS Staaten zielen, sind weitere Zahlen interessant. Dazu zählt zum einen die Verbreitung des Internets. Laut Datenliste der Website „Internetworldstats.com“ ist die Internet-Penetration, also das Verhältnis von Internetnutzern (Stand Ende 2011) und Gesamtbevölkerung, in den CIVETS Staaten sehr unterschiedlich:

Kolumbien: 55,9%
Indonesien: 22,4%
Vietnam: 33,7%
Ägypten: 26,4%
Türkei: 44,4%
Südafrika: 13,9%

Aber selbst bei einem Staat wie Südafrika mit noch verhältnismäßig niedriger Internet-Penetration kann die absolute Zahl der Internetnutzer interessant genug sein, um eine E-Commerce Expansion zu überlegen. Wer sich für eine entscheidet, sollte sich weitere Zahlen ansehen, um auf der Basis eine passende Online-Marketing-Strategie zu erstellen. Eine erste Anlaufstation für die Recherche kann hier die Internetseite des Unternehmens MVF Global sein, das Businesskunden bei der Suche nach qualifizierten Kundenkontakten in verschiedenen Ländern unterstützt. Auf der Seite werden viele Daten über internationale Internetmärkte veröffentlicht. So erfährt man etwa,

  • dass Kolumbien der am schnellsten wachsende Internetmarkt in Lateinamerika ist, durchschnittliche Internetnutzer dort 20,4 Stunden pro Monat online verbringen und dass Facebook auch in Kolumbien beliebtestes soziales Netzwerk ist: mit 13,5 Millionen Mitgliedern.

Solche Daten geben Hinweise darauf, wie und wo sich etwa Social Media Marketing im jeweiligen Land lohnt. Auch Daten zur Stärke des jeweiligen Onlinemarktes sind vorhanden und neben den Daten zu Kolumbien existieren auch Informationen über Indonesien, Vietnam und Ägypten.

Die Lokalisierung von Onlineshops

Der Onlineshop in der jeweiligen Landessprache ist die wichtigste Basis von E-Commerce, der auf potenzielle Käufer in den CIVETS Ländern zielt. Selbstverständlich sollte dabei eine Übersetzung deutscher Textinhalte durch einen Muttersprachler sein. Alleine die Übersetzung von Texten reicht indes nicht aus. Andere Länder haben auch eine andere Kultur und das wird man berücksichtigen müssen. Religion spielt etwa in Indonesien eine große Rolle, wo der Islam zwar keine offizielle Staatsreligion ist, aber dennoch größere Teile des gesellschaftlichen Lebens prägt. Er definiert eigene Regeln und Tabus, die man auch im E-Commerce beachten sollte. Onlineshops müssen deshalb lokalisiert werden. Das bedeutet: Bilder, Videos, Textstil, Farbschemata – all das gehört auf den Prüfstand und muss gegebenenfalls an die jeweilige fremde Kultur angepasst werden.

Ähnliches gilt beim Onlinemarketing. Witzige gemeinte werbende Inhalte, die in Deutschland auf Social Media Plattformen für Aufmerksamkeit im positiven Sinne sorgen und gerne geteilt werden, stoßen in fremden Kulturen möglicherweise auf Ablehnung. Zugleich wird die Schwelle, ab der vielleicht mit Erotik Werbendes als obszön gilt, von Kultur zu Kultur unterschiedlich sein. Wer hier nicht in die jeweilige Kultur eintaucht oder mit Partnern aus der Kultur zusammenarbeitet, tappt schnell einmal in böse Fallen. Man möchte gefallen und missfällt. Daneben sollte man sich vorab auch über organisatorische Dinge Gedanken machen: Welche Zahlsysteme werden implementiert und wie löst man den Warenversand logistisch so, dass bestellte Produkte möglichst schnell den Kunden im CIVETS Land erreichen? Es gibt viele Fragen, die man vor möglichen E-Commerce-Aktivitäten für eine Zielgruppe aus den CIVETS Staaten beantworten sollte. Die Sache kostet etwas Zeit und auch etwas Geld. Aber sie kann sich lohnen!

Über den Autor:
Christian Arno ist der Gründer von Lingo24, einem Übersetzungsunternehmen, das professionelle Übersetzungsdienste anbietet.

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