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So haben Internet und E-Commerce auch die Themen Sex und Dating verändert

So haben Internet und E-Commerce auch die Themen Sex und Dating verändert
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Nicht wenige Internet-Weisen, Verhaltensforscher und Sexualwissenschaftler sind der Ansicht, dass das Internet die zweite sexuelle Revolution nach der ersten in den 1960ern und -70ern ist. Und obschon es manchem nach wie vor als „Schmuddelthema“ gilt, ist der Impakt auf die breite Masse doch gigantisch – und dazu trägt nicht zuletzt auch bei, dass viele Methoden guten E-Commerce auch auf dieses Thema übertragen wurden.

Einige besonders prägnante Beispiele für dieses zu häufig etwas verschämt betrachtete Thema listet der folgende Artikel.

  1. Von der Porno-Plattform zum Statistiker

Bei den allgegenwärtigen Hosting-Plattformen, deren Geschäftsmodell sich nur auf das Zeigen von Pornos unterschiedlichster Couleur beschränkt, ist es ganz ähnlich wie mit Castingshows: Keiner will sie gesehen haben, trotzdem sind die Namen breitbekannt.

YouPorn, Xhamster, RedTube, Xnxx und Co. sind vielen regelmäßigen Netzusern selbst dem ein Begriff, der sie noch nie besuchte – und gehören samt und sonders zu den meistbesuchten Webseiten. Mit zu dieser Riege gehört auch PornHub.

Allerdings hat dessen Betreiber etwas geschafft, das man marketingtechnisch als Geniestreich bezeichnen muss. Mindgeek, so der luxemburgische Mutterkonzern, machte PornHub, als es 2007 gegründet wurde, nicht nur zu einem weiteren Videoportal unter vielen.

Denn jährlich veröffentlicht PornHub Statistiken. Nutzerzahlen, meistgesuchte Begriffe, sexuelle Vorlieben – und wurde so zum Almanach, der mit seinen Zahlen nicht nur sehr Aufschlussreiches offenbart und für viele auch als sexueller Trendsetter fungiert, sondern es geschafft hat, bei jeder Statistik-Veröffentlichung in den Mainstream-Onlinemedien zu landen und so unzählige Klicks von Leuten zu generieren, die nicht auf der Suche nach Erotik sind.

  1. Für Exhibitionisten und Voyeure

Würde man einen Psychoanalytiker befragen, wäre seine Antwort wohl die, dass jeder Mensch zu einem gewissen Grad eine exhibitionistische und voyeuristische Ader habe – die einen zeigen sich gern, die anderen schauen.

Von einem wirtschaftlichen Standpunkt aus betrachtet, ist das, was das Internet an diesem Punkt aufgebrochen hat, fast schon die Erfindung eines völlig neuen Berufsstandes – zumindest aber einiger cleverer Vertriebsmodelle.

Denn so sehr auch „normale“ Seiten als Triebmotoren gelten, waren es immer wieder Sex und Erotik, die Vorreiter waren und sind, wenn es darum geht, neue Vertriebswege zu ergründen.

  • Den wohl konventionellsten Anfang machten all jene Plattformen, die ihre Inhalte nur gegen regelmäßige Abo-Zahlen veröffentlichen. Das ist das meistverbreitete Modell
  • Hohe Erfolge feiern auch Seiten, die sich als Anbahner von Sex begreifen. Plattformen, auf denen Frauen private Sextreffen organisieren, und die dazu als Bindeglied fungieren
  • Ein wirklich neues Verfahren sind jene Seiten, welche das offline nie wirklich wertschöpfende Prinzip der Peep-Show auf ein virtuelles Level hoben. Hier, wo zahlreiche Menschen Geld damit verdienen, sich auf der Plattform live bei sexuellen Handlungen zu zeigen und den Berufsstand „Camgirl“ bzw. „Camboy“ kreierten.
  • Gänzlich raus aus der Schmuddelecke sind all jene Vlogs, Blogs und Podcasts, in denen sich „Menschen wie du und ich“, meist mit gewisser Internet-Prominenz versehen, über das große Thema austauschen – erst Anfang 2019 prominent durch die Teilnahme der Sexbloggerin Leila Lowfireim Dschungelcamp befeuert.

Und dazu gehört auch die Parade der Dating-Portale. Hier, wo zwischen echter Singlebörse und Seitensprung-Plattform die Grenzen oft verwischen, liegt nach wie vor enormes Potenzial – und eben auch wieder der Beweis dafür, wie sehr das Thema Mainstream ist: Zumindest Tinder dürfte sehr breit geläufig sein – und hat es samt Verb bereits in den Duden geschafft.

  1. Liebe kaufen

Dass Call-Girls, Escorts und Prostituierte ihre Dienste auch schon in der Prä-Internet-Ära nicht nur live und vor Ort anpriesen, sondern auch auf Gedrucktes auswichen – meist einschlägige Szenemagazine wie „Happy Weekend“ – dürfte bekannt sein.

Tatsache ist jedoch, dass das Geschäft mit der käuflichen Liebe derzeit drauf und dran ist, sogar seinen Hauptschwerpunkt ins Netz zu verlagern. Damen und Herren, die sich auf den Seiten ihrer „Arbeitgeber“ präsentieren, sind das Mindeste.

Doch es ist vor allem das Portal Ohlala, das zeigt, wie sich der Markt verändert. Zwar gibt seine Gründerin an, dass hier alles auf freiwilliger Basis funktioniert. Tatsächlich gibt es jedoch (wertungsfrei) deutliche Parallelen zum Escort-Modell.

Dieser Punkt steht dabei sehr archetypisch für das, was das Erfolgsrezept von Sex und Erotik im Netz ausmacht:

In der Offline-Welt waren es in den seltensten Fällen Business-Experten, die sich dem Thema annahmen. Am professionellsten waren die Filmproduktionen, der große Rest wurde von Leuten gegründet und geleitet, die weit weniger Expertise von wirtschaftlichen Zusammenhängen hatten.

Ohlala hingegen wird von einer Master-Inhaberin in Wirtschaftsethik geleitet. Bei YouPorn war Unternehmer Fabian Thylmann der Gründer. Und völlig gleich, auf welche andere Plattform man schaut, hinter allen erfolgreichen stehen Menschen, die aufgrund ihrer Ausbildung echte Marketing-, Wirtschafts- und Vertriebsprofis sind.

Und wo Profis Hand anlegen, entsteht naturgemäß nicht nur höhere wirtschaftliche Effizienz, sondern steigert sich auch der Professionalisierungsfaktor.

  1. Spielzeug im Abendprogramm

Der wohl schlagendste Beweis dafür, wie weit nicht nur der wirtschaftliche Erfolg dieses gar nicht mehr so schmuddeligen Business heute reicht, dürften jene Unternehmen sein, die sich auf den Verkauf von Sexspielzeug fokussiert haben.

2018 konnten wir vermelden, dass Amorelie binnen eines Jahres seinen Umsatz von 20,6 Mio. Euro auf 36,3 Mio. gesteigert hatte. Ähnliches beim Konkurrenten Eis – und das sind nur zwei Beispiele für höchst erfolgreiche E-Commerce-Betriebe in diesem Metier.

Dabei haben die Macher etwas erkannt, was in analogen Zeiten auch schon beim Orion-Versand und bei Beate Uhse bekannt war: Die meisten Erwachsenen haben Sex und sie mögen ihn.

Doch wo der Vertrieb in früheren Zeiten nach wie vor „ein gewisses Image“ hatte, haben es die E-Commerce’ler geschafft, ein sehr natürliches, positives Image nach außen zu tragen – Vor Weihnachten laufen in den TV-Werbeblöcken von Mainstream-Sendern ganz harmlose Spots für die erotischen Adventskalender besagter Firmen.

In anderen Monaten gibt es Testimonials von Pärchen, die ein bestimmtes Produkt anpreisen. Und immer ist die Werbung so weit weg vom einstigen Schmuddel-Image, wie ein Rasenmähermotor von einem Formel-Eins-Rennstall – Chapeau!

Zusammengefasst:

Viele Geschäftstreibende haben es verstanden, Sex und Erotik mit Hilfe des Internets und seiner Vertriebswege aus dem anrüchigen Bereich herauszuholen. Das ist nicht nur ein enormer wirtschaftlicher Faktor, sondern kann auch für sich in Anspruch nehmen, das „ewige Thema“ wesentlich befreiter und den breitgesellschaftlichen Umgang damit entspannter gemacht zu haben.

 

 

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