Die Frage geistert immer wieder im Raum. Wir der E-Commerce den stationären Handel irgendwann überrollen und die Städte leer gefegt werden? Die Antwort lautet nein, sofern der stationäre Einzelhandel sich nicht mit der aktuellen Situation abfindet und entsprechende Gegenmaßnahmen einleitet. Die Vorzüge des stationären Ladenlokals liegen auf der Hand, persönliche Beratung, Einkaufserlebnis, sofortige Verfügbarkeit der Waren und und und.
Auch wenn eine aktuelle IFH-Studie ein düsteres Bild zeichnet, es gibt sie – die Chance für den Einzelhändler. Laut der Studie soll bis zum Jahr 2020 jedes zehnte stationäre Geschäft schließen und somit dem Online-Handel Tribut zollen.
Somit ist klar, es besteht Handlungsbedarf beim Einzelhändler. Es müssen neue Konzepte her und insbesondere die digitalen Kanäle müssen geschickt in den stationären Handel integriert werden. Der stationäre Handel hat in den letzten Jahren einfach das Thema E-Commerce zu sehr vernachlässigt. Dabei müssen die positiven Aspekte wie Kauferlebnis, Gestaltung, Ambiente, Erlebnischarakter und Sortimentsvielfalt geschickt in den digitalen Wandel integriert und für den Konsumenten spürbar werden. Der wichtigste Aspekt gegenüber dem Pure Player ist einfach die direkte Verfügbarkeit der Waren (Touch-and-Feel). Selbst wenn dies nicht der Fall sein sollte, kann der Einzelhändler die Ware ggfs bestellen und den Kunden direkt Face-to-Face beraten und überzeugen.
Aktuell Studien bestätigen dies und rund 82 Prozent einer solchen Studie gaben an, in einem Geschäft zu kaufen, weil insbesondere die gute Beratung ein sicheres Gefühl vermittle. Die persönliche Interaktion ist somit ein klarer Wettbewerbsvorteil.
In der Theorie leicht analysiert. Was kann also konkret gemacht werden?
Der stationäre Handel muss sich verändern. So viel ist klar. Ein paar Aspekte möchte ich hier an dieser Stelle aufzeigen und gerne bei Interesse in einer weitere Artikelreihe zum Besten geben:
- Erweiterung des Produktsortiments mithilfe des Internets, ohne in neue größere Ladenlokale zu investieren
- Kundenbindung – nicht umsonst versuchen Pure Player ihre Stammkunden zu binden. Personalisierte Kommunikation ist hier ein Thema und kann in kleinen Steps so auch im stationären Handel umgesetzt werden
- Step-by-Step. Wer früh anfängt, muss nicht den „großen“ digitalen Wandel vorantreiben. Auch mit kleinerem Geldbeutel gibt es Möglichkeiten
- Sinnvolle Kooperationen mit Partnergeschäften (Komplementäre Produkte, andere Freizeitaktivitäten, etc.)
In Zukunft würden vor allem Line Extensions intensiviert. Damit reagieren die Geschäfte auf die Nachfrage nach einem breiten Sortiment, indem sie Kataloge mit digitalen Hilfsmitteln zur Verfügung stellen.
Sicherlich besteht beim Einzelhandel Handlungsbedarf. Auf die Vorzüge, die der stationäre Handel zu bieten hat, sollte dieser sich allerdings nicht verlassen. Denn das (Einkaufs-)verhalten der Konsumenten ändert sich ständig. Als in den 60er und 70er Jahren die Supermärkte den Lebensmittel-Einzelhandel verdrängte, nutzte die gute Beratung nichts. Hier war der Geschwindigkeitsvorteil für die Verbraucher ausschlaggebend. Vergleichbare Entwicklungen haben in Bezug auf E-Commerce und Onlinehandel gerade erst begonnen.
Viele Grüße
Martin Sperling
Sich ausschließlich darauf zu verlassen, wäre sicherlich fahrlässig. Aber es ist ein wesentlicher Unterschied und wenn das Zusammenspiel und Konzept passt, kann es auch im Multichannel-Business ein USP sein.