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WM-Studie 2018: Politiker sollten sich mit WM-Besuche bis Halbfinale zurückhalten

WM-Studie 2018: Politiker sollten sich mit WM-Besuche bis Halbfinale zurückhalten
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Knapp die Hälfte der Deutschen hätte den Eindruck, dass Russland durch seine außenpolitische Darstellung bei der WM vor allem von Missständen wie der Krim-Krise und der Diskriminierung Homosexueller ablenken wolle. Knapp 30 % gehen davon aus, dass diese Strategie funktionieren und dass die WM daneben noch weitere positive Auswirkungen für das Austragungsland Russland haben wird.

Allerdings hält es nur eine Minderheit der Befragten für sinnvoll, aus dieser Annahme Konsequenzen zu ziehen: Nur knapp 11 % gaben an, die WM aufgrund der politischen Situation
in Russland nicht zu verfolgen, 14,2 % waren der Meinung, die deutsche Nationalmannschaft solle WM-Spiele boykottieren, um auf Missstände aufmerksam zu machen.

„Obwohl die Instrumentalisierung der WM kritisch gesehen wird, gehen mehr als ein Viertel der Befragten davon aus, dass die WM die politischen Außenbeziehungen Russlands (zum Beispiel durch Besuche internationaler Politiker) verbessern kann“, berichtet der Initiator und Leiter der Studie, Prof. Dr. Markus Voeth. „Jeder Fünfte nimmt an, dass sich die Fußball-WM langfristig positiv auf die wirtschaftliche Lage auswirken wird und knapp 34 % glauben, dass sich die Infrastruktur verbessern wird.“

Verfrühte WM-Besuche deutscher Politiker werden skeptisch gesehen

Auch Politiker auf der Tribüne würden die Befragten als Versuch verstehen, die WM zu instrumentalisieren, berichtet Co-Studienleiter Benjamin Zimmermann. „Hier sollen Volksnähe
und ein Wir-Gefühl vermittelt werden. Die Befragten bewerten dies nicht uneingeschränkt positiv.“

Zwar fänden es über 60 % der Studienteilnehmer sinnvoll, wenn die Bundeskanzlerin zum WM-Finale reist. Beim Halbfinale und beim Spiel um Platz drei befürworteten es jedoch nur noch gut
30 %. „Einen Viertelfinal-Besuch der Kanzlerin halten immerhin noch knapp 42 % der Befragten, wenn auch nicht für sehr sinnvoll, so doch wenigstens für vertretbar“, erläutert Zimmermann.

Von Politikerbesuchen bei Vorrunden- und Achtelfinalspielen raten die Wissenschaftler aufgrund der Studienergebnisse ab. Mehr als die Hälfte der Befragten hielten diese Besuche für überflüssig (Achtelfinale 50,1 %, Vorrunde 62,4 %). „Im Vergleich zur WM 2014 haben die Negativbewertungen noch etwas zugenommen“, so Prof. Dr. Voeth. Eine starke Tendenz in diese Richtung habe sich jedoch auch bei den vorherigen WM-Studien bereits abgezeichnet.

Imagepflege der FIFA fehlgeschlagen

Auch die Fédération Internationale de Football Association (FIFA) kämpft laut WM-Studie weiterhin mit einem großen Imageproblem. „Die FIFA wird weiterhin als überdurchschnittlich korrupt und überdurchschnittlich instrumentalisiert wahrgenommen“, zitiert Prof. Dr. Voeth aus den Studienergebnissen.

Fast die Hälfte der Männer und 32,6% der Frauen gaben an, dass sich das Image der FIFA ihrer Meinung nach sogar verschlechtert habe. Weitere 45% der Frauen und weitere knapp 40% der Männer sehen zumindest keine Verbesserung – trotz aller Bemühungen um vertrauensbildende Reformen des Verbandes. Weniger als ein Zehntel der Befragten gingen von einer Image-Verbesserung aus.

Befragte kritisieren v.a. hohe Gehälter, Transfersummen und den Vergabeprozess der WM

„Große Sportereignisse wie Weltmeisterschaften, Europameisterschaften und Olympische Spiele werden von den Befragten generell als überdurchschnittlich korrupt wahrgenommen“, erklärt Prof. Dr. Voeth.

Der Grad der politischen Instrumentalisierung und der Grad der Korruption hinge nach Auffassung der Deutschen vom Gastgeberland, den Sportfunktionären und der Sportart ab. „Im Fußballgeschäft sehen sie vor allem hohe Gehälter und die bezahlten Transfersummen, aber auch den Vergabeprozess der Weltmeisterschaft kritisch“, bilanziert der Fachmann.

via PM

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